Regio-13-Ausgangssituation

Prof. Dr. Gregor-Georg Zafiropoulos: Deckung von gingivalen Rezessionen

May 12, 2014 7:44 am Published by Leave your thoughts

Bereits seit geraumer Zeit wünscht eine wachsende Zahl an Patienten die Deckung freiliegender Wurzeln. Dies führt zu einer verstärkten Nachfrage nach neuen Behandlungsmöglichkeiten. Als Standardeingriff mit sehr guten ästhetischen und funktional-klinischen Ergebnissen hat sich die Rezessionsdeckung unter Verwendung von Bindegewebetransplantaten (BGT) in Kombi- nation mit diversen Lappentechniken (Umschlagtechnik, Envelope-Technik, nach lateral repo- nierter Lappen, koronale Verschiebung, Tunneltechnik) etabliert. Seit Kurzem besteht hierzu eine Behandlungsalternative in Form einer 3-D-Kollagenmatrix.

Das BGT hat gegenüber dem freien Schleimhauttransplan- tat (FST) den Vorteil, dass es sich gut an die Farbe des Gingiva- gewebes anpasst und nur eine minimale Gefahr für eine Keloidbildung besteht. Darüber hinaus kann die palatinale Ent- nahmestelle dicht vernäht werden, wo- durch wiederum die Gefahr einer post- operativen Komplikation bzw. Blutung minimiert wird. Eine wichtige Kontra- indikation dieser Behandlungsweise ist der Mangel an ausreichendem bzw. dickem Spendergewebe. Trotz seiner Vor- teile ist die BGT-Methode empfindlich und verlangt vom Behandler ausrei- chend chirurgische Erfahrungen. Auch besteht die Gefahr einer Verletzung der Arteria palatina und die Notwendigkeit eines zweiten Eingriffes am Gaumen zur Gewinnung des Transplantats – der Eingriffsumfang hängt von der erfor- derlichen Größe des BGT ab – stellt ebenso eine Belastung für den Patien- ten dar, auch wenn dieser letztlich mit dem Endergebnis zufrieden ist.

Biomaterialien

Biomaterialien werden seit mehreren Jahren in der regenerativen Parodontal- sowie Implantatchirurgie in erster Linie zur Regeneration/Augmentation von Knochendefekten und Extraktions- alveolen verwendet. Seit Kurzem steht
als Alternative zum Einsatz von BGT bei der Augmentation von Weichgewebe eine 3-D-Kollagenmatrix zur Verfü- gung (Kollagen Typ I/III porciner Ur- sprung; mucoderm®, BoTiss Biomate- rials, Berlin). Die Struktur dieser Matrix dient als Leitschiene für Weichgewebs- zellen und Blutgefäße und ermöglicht die Integration in das umliegende Bindegewebe. Im vorliegenden Bericht soll die Deckung einer gingivalen Rezession mithilfe einer 3-D-Kolla- genmatrix anhand eines Fallbeispiels aus der Praxis des Autors erläutert werden.

Ausgangssituation

Der Patient (männlich, 51 Jahre alt, Nichtraucher) hatte Regio 13 und 23 je eine gingivale Rezession und starke Kälteempfindlichkeit. Im Rahmen einer Studie und nach entsprechend schrift- licher und mündlicher Aufklärung wurde die Rezession Regio 13 mit einer 3-D-Kollagenmatrix und die Rezession Regio 23 mit einem BGT gedeckt. In beiden Fälle wurde die Transplantation mit einer koronalen Verschiebeplastik kombiniert. Beide Bereiche wurden am selben Tag behandelt.

Vorgehen

Zuerst wurden – auf der Höhe der Schmelz-Zement-Grenze – horizontale Inzisionen im Bereich der Interdental- papillen durchgeführt (Abb. 2). Aus den koronalen Teilen der Papillen wurde das Epithel entfernt und die so entstan- denen Bindegewebe-Dreiecke bildeten die Stellen, an denen der Mukosalappen zum Schluss fixiert wird (Abb. 3). Die volle Breite der Interdentalpapillen wurde erhalten. Zwei vertikale Inzi- sionen wurden durchgeführt und ein Mukosalappen wurde mobilisiert, wo- bei die Bindegewebe-Dreiecke im Be- reich der interdentalen Papillen nicht angetastet wurden (Abb. 4 und 5). An- schließend wurde die Wurzel des be- troffenen Zahnes gereinigt und geglät- tet (Abb. 6). Die 3-D-Kollagenmatrix wurde zuerst in einer sterilen Kochsalz- lösung für circa zehn Minuten einge- weicht und anschließend dehydriert, zurechtgeschnitten und am Periost mit resorbierbaren Nähten fixiert (Abb. 7). Es folgte ein „Periostschlitz“ am apika- len Ende des Mukosalappens, und der Lappen wurde nach koronal verschoben und spannungsfrei auf die Bindege- webe-Dreiecke der interdentalen Pa- pillen mit nicht resorbierbaren Nähten fixiert (Abb. 8).
Dem Patienten wurden für die zwei postoperativen Wochen plaquehem- mende Mittel empfohlen; zwei Wo- chen nach dem Eingriff konnten die Nähte entfernt werden (Abb. 9).
Die Abbildung 10 zeigt das klinische Ergebnis sechs Monate nach der Re- zessionsdeckung.
Die Rezession Regio 23 wurde mittels BGT und koronaler Verschiebung des Mukosalappens behandelt. Den Ab- bildungen 11 und 12 ist die Situation vor der Rezessionsdeckung und sechs Monate nach der Rezessionsdeckung zu entnehmen. Zwischen beiden Re- gionen ist kein Unterschied festzu- stellen.

Schlussfolgerungen

Das BGT wird seit längerer Zeit in der plastischen Parodontalchirurgie erfolg- reich verwendet.
Im Vergleich zu freien Gingivatrans- plantaten besticht das kosmetische Ergebnis des BGT durch eine bessere farbliche Übereinstimmung. Die neue 3-D-Kollagenmatrix stellt wiederum eine sichere und effektive Alternative zum BGT dar. Dabei wird keinerlei Ver- änderung der Operationstechnik (koro- nale Verschiebung oder Tunneltechnik, etc.) benötigt.
Eine Rezessionsdeckung mit einer 3-D- Kollagenmatrix erreicht ebenso ästhe- tisch-funktional hochwertige Ergebnisse wie ein BGT, ohne dass ein zweiter Eingriff zur Entnahme eines Transplan- tates notwendig ist. In der Beispiel- praxis wurden im letzten Jahr über 50 Rezessionen mittels 3-D-Kollagen- matrix behandelt und dabei weder Komplikationen noch Rezidive beob- achtet. Auch die Ergebnisse einer aktuellen, noch nicht veröffentlichten Studie der Università Cattolica del Sacro Cuore in Rom zur Deckung von gingivalen Rezessionen durch koronale Ver- schiebelappen mit Bindegewebetrans- plantat vs. 3-D-Kollagenmatrix zeigen keine Unterschiede zwischen Rezessi- onsdeckung mit BGT und der Behandlung mit einer 3-D-Kollagenmatrix.

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